Auf der Suche nach Libellen

Text und Bilder von Hermann Bergjürgen

Vom kriechenden Wassertier zum fliegenden Diamanten

Die Entwicklung von Libellenlarven bis zum fliegenden Insekt.

Larve der Vierfleck Libelle (11.06.2019)
Larve der Vierfleck Libelle (11.06.2019)

Die Larve der Vierfleck Libelle kriecht auf ein Seerosenblatt und verharrt dort erst einmal für eine längere Zeit.

 

Ihr Aussehen hat noch nicht viel mit dem farbenfrohen Insekt zu tun, das sich ein paar Stunden später in die Luft erhebt. Durch die Larvenhaut sieht man die hellen Flügel schimmern.

 

Größenvergleich von Libellenlarven

Larve einer Kleinlibelle (14.06.2019)
Larve einer Kleinlibelle (14.06.2019)

Diese Larve einer Kleinlibelle, die hier noch komplett unter Wasser ist, zeigt dasselbe Verhalten wie die der Großlibelle. 

 

TIPP: Mit einem Pol Filter kann man Reflektionen der Wasseroberfläche weitestgehend vermeiden.

 

Das äußere Erscheinungsbild der Larven von Groß- und Kleinlibellen ist in der Regel recht verschieden. Hier fünf Exuvien (Larvenhüllen) aus einem kleinen Gartenteich.

Von klein nach groß. Kleine Pechlibelle, Gemeine Heidelibelle, Vierfleck, Blaugrüne Mosaikjungfer. Bei der größten Exuvie kann ich nicht sagen zu welcher Libelle sie gehört aber soviele Libellen, die größer sind als die Blaugrüne Mosaikjungfer gibt es hier nicht.

 

 


 

oben - junge Pechlibelle, unten- Larvenhaut (Exuvie) einer Blaugrünen Mosaikjungfer

 

Man möchte der jungen Pechlibelle zurufen: „Sei vorsichtig“ aber von der Larvenhaut der Blaugrünen Mosaikjungfer geht keine Gefahr für sie aus. Aber der Größenunterschied ist gut zu erkennen.

 

 

 

Das Schlüpfen - Die Postionen

Viele Libellenlarven kriechen an einem Pflanzenstängel hinauf, um in möglichst aufrechter Position zu schlüpfen. (Exuvien [Exuvie ist die Bezeichnung für die zurückbleibende Larvenhaut] der Blaugrünen Mosaikjungfer am 07.07.2019)

 

Andere Libellen schlüpfen in fast waagerechter Lage, wie diese Kleine Pechlibelle am 10.07.2019.

Eine weitere Kleine Pechlibelle, die zeitgleich geschlüpft ist hat sich, anders als die oben Abgebildete, fast senkrecht zum Trocknen positioniert, was bedeutet, dass diese Libellenart flexibel ist in dieser Angelegenheit.

Bei dieser jungen Libelle handelt es sich um ein Weibchen, zu erkennen am Legeapparat am Ende  vom Hinterleib (10.07.2017). Die dunklen Punkte sind Blattläuse,  der Vergleich lässt erahnen, wie groß die Libelle ist.

 

 


Das Schlüpfen einer Vierfleck Libellenlarve

Bild 1: Bei dieser Larve ist soeben die Haut aufgeplatzt und Kopf und Thorax der Vierfleck Libelle sind bereits zu sehen.

Bild 2: Die weißen „Fäden“ sind dünne Schläuche, die bei der Larve die Verbindung der Atmungsorgane zu den „Kiemen“ sind.

Bild 3: Die noch weichen Beine werden eines nach dem anderen ausgestreckt.

Bild 4: In dieser Position verharrt die junge Libelle für einige Zeit, um sich dann mit einem Schwung nach oben zu bewegen. Wobei sie sich am Kopf der Larvenhaut festhält und den Hinterleib aus der dann leeren Hülle herauszieht. Dabei lösen sich die weißen Fäden von der Libelle, sie werden ohnehin nicht mehr benötigt und geben die Atemöffnungen, Stigmen genannt, frei.

 

Bild 5: Auf dem Rücken der Exuvie sind Wiederhaken zu sehen, die evtl. Schutz gegen Fressfeinde, wie Fische, darstellen.

Bild 6: Nun beginnt die längste Phase beim Schlupf der Libelle. Flügel und Hinterleib werden nach und nach mit Körperflüssigkeit gefüllt und müssen anschließend aushärten, damit der Libellenkörper den zukünftigen Belastungen standhält.

Bild 7: Langsam aber sicher füllen sich die Flügel und der Hinterleib mit Flüssigkeit.

 

Bild 8: Auf dem Bild ist ein Tropfen Flüssigkeit am Hinterleib zu sehen, der von der jungen Libelle abgesondert wird, weil er „überflüssig“ geworden ist. Flügel und Abdomen sind gefüllt mit der Körperflüssigkeit und haben ihre Endgröße erreicht.

Bild 9: Eine Blattlaus schaut sich die junge Libelle einmal aus der Nähe an. Bei einer späteren Begegnung in der Luft wäre es sicher um das kleine Insekt geschehen.

Bild 10: Ein Regenschauer stellt eine Gefahr für das schlüpfende Insekt da, weil es, mit Wassertropfen benetzt, schnell auskühlt. Auf dem Bild ist zu erkennen, dass das Wasser an der Libelle abperlt, das ist der sogenannte Lotoseffekt. Wenn der Körper der Libelle zu kalt geworden ist verlässt sie die Kraft und sie kann sich evtl. nicht mehr festhalten und fällt ins Wasser, was in der Regel ihr Todesurteil ist.

Bild 11: Zurück zur schlüpfenden Vierfleck Libelle, die ihre Flügel plötzlich ausbreitete und, wie bei Großlibellen üblich,  nicht mehr zusammenlegt hat.

Bild 12: Auf den Bildern ist zu erkennen, dass die Libellenflügel nicht einfache flache Tragflächen sind, sondern im laufe der Evolution eine Struktur bekommen haben, die es der Libelle ermöglicht alle möglichen Flugmanöver zu absolvieren. Wieviel Berechnungen Wissenschaftler wohl anstellen müssten, um entsprechende Ergebnisse zu erzielen. Auf den beiden Flügelpaaren sind etwa in der Mitte am jeweiligen oberen Rand dunkle Flecken zu sehen, die der Libelle den Namen geben - Vierfleck.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Schlüpfen der Gemeinen Heidelibelle läuft ebenso ab, wie beim Vierfleck (19.08.2018).

 

Die junge Kleine Pechlibelle nutzt das Seerosenblatt als Wiederlager, um ihr Abdomen aus der Exuvie zu ziehen.

 


Rettung in letzter Not

 

Diese Blaugrüne Mosaikjungfer ist am 29.06.2019 ins Wasser gefallen und konnte sich selbständig nicht mehr retten. Das Drama hatte aber ein Happy End. Mit einer Schaufel habe ich sie aus dem Wasser geholt und dann vorsichtig ihre aneinander haftenden Flügel voneinander getrennt. Im Anschluss habe ich die Libelle an einen Weizenhalm gesetzt, wo sie sich erst einmal erholen konnte


Kleinlibellen

Große Pechlibelle (01.08.2017)
Große Pechlibelle (01.08.2017)

Dieses Mal möchte ich mich mit zwei Kleinlibellen beschäftigen. Die Große Pechlibelle ist eine der häufigsten Kleinlibellen in unseren Breiten.

 

Sie kommt an allerlei stehenden und langsam fließenden Gewässern vor. Die Larven der Großen Pechlibelle sind recht anspruchslos. Ob in einer Regentonne oder am Fuß einer Bergehalde alles kein Problem. Die Weibchen dieser Art kommen in mehreren Farbvarianten vor.

 

Auf dem Bild sind junge Weibchen zu sehen, die sich noch umfärben werden.(10.06.2016)

 

Der frisch geschlüpften Libelle sieht man die spätere Farbgebung noch nicht an. (10.06.2016)

 

Am 01.08.2017 hat das Männchen der Großen Pechlibelle die Spinnfäden nicht früh genug erkannt. Der gefangene Jäger hat keine Möglichkeit dem Unheil zu entgehen.

 


Größenvergleich von Heidelibelle (oben) und ein Paar der Großen Pechlibelle (unten) (06.08.2018)
Größenvergleich von Heidelibelle (oben) und ein Paar der Großen Pechlibelle (unten) (06.08.2018)

Um die Größe der Großen Pechlibelle einordnen zu können, muss mal wieder eine Heidelibelle als Vergleich herhalten. Wobei das Paar der Großen Pechlibelle unscharf abgebildet ist, was dem Vergleich aber hoffentlich nicht schadet. Bei genauerem Hinsehen kann man einzelne Spinnfäden erkennen. Um den Teich herum gibt es kaum einen Ast oder Halm, der nicht eingesponnen ist. Ob Libellen diese Fäden als Gefahr wahrnehmen kann ich nicht sagen.

 

Männliches Exemplar des Großen Granatauge
Männliches Exemplar des Großen Granatauge

Die andere Kleinlibelle ist das Große Granatauge. Diese Libelle ist etwas kräftiger gebaut, als die vorangegangene Art. In einem Bestimmungsbuch ist ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie ein Weibchen vom Großen Granatauge ein Männchen der Großen Pechlibelle frisst. Sie ist, meiner Erfahrung nach, recht scheu und da ist ein Teleobjektiv mit Makrofunktion schon sehr hilfreich. Das Auffälligste dieser Art sind die leuchtend roten Augen der Männchen.

 

An manchen Tagen sind sehr viele Paare dabei die Eier abzulegen. Der Vorteil ist, dass zwar einige Paare „auf der Strecke“ bleiben aber der weitaus größere Teil kann die Eiablage durchziehen.

 

Rückenschwimmer, Wasserkäfer, Fische, Frösche oder z.B. Wasserläufer stellen immer eine Gefahr für eierlegende Libellen dar.

 



Herbst-Libellen

Heidelibellen, Binsenjungfern oder Herbstmosaikjungfern läuten den Herbst und damit auch das ausklingende Libellenjahr ein.

Hier ist ein Paar der Blutroten Heidelibelle, am 18.08.2016, im Landeanflug.

 

Ein Paar der Gemeinen Heidelibelle bei der Eiablage am 30.08.2018. Der trockene Sommer 2018 hat dafür gesorgt, dass flache Gewässer schnell ausgetrocknet sind. Das Paar hat die Eier in eine kleinen Pfütze abgelegt, die zwei Tage später verschwunden war.

 


Diese weibliche Binsenjungfer hat sich am 14.09.2018 bereitwillig ablichten lassen. Mutmaßlich bedingt durch die lang anhaltende Trockenheit waren im September 2018 keine Kleine Binsenjungfern und Schwarze Heidelibellen, wie in den Jahren zuvor, zu finden.

Lediglich die im Juni/Juli geschlüpften Gemeinen Winterlibellen und die eventuell zugewanderten Herbstmosaikjungfern konnte ich noch entdecken.

 Das Männchen der Herbstmosaikjungfer fliegt nicht so ausdauernd, wie manche andere Mosaikjungfern. Entdeckt am 24.09.2017 an einem Rastplatz am Heidekraut.

 


Libelle des Jahres 2019 - die Schwarze Heidelibelle

Die Schwarze Heidelibelle ist eine der letzten Libellen, die an flachen Heide- oder Moorgewässern schlüpft. Zur Libelle des Jahres wurde sie erwählt, weil der Bestand mittlerweile rückläufig ist.  Das Weibchen, hat am 12.07.2016 „Modell“ gesessen, das Männchen am 03.10.2016.

 

Bei manchen Libellen sind die Larven in der Lage in eine „Trockenstarre“, so eine Art „Sommerschlaf“ zu verfallen. Über welchen Zeitraum das möglich ist und ob die Libellen eventuell erst im Folgejahr schlüpfen kann ich nicht sagen. Ebenso kann ich nicht beurteilen, ob die Eier z.B. der Moosjungfern nicht vertrocknet sind, was natürlich ein Rückschlag gerade für bedrohte Arten wäre.

 

Weibchen der Schwarzen Heidelibelle                                   Männchen der Schwarzen Heidelibelle


Große Königslibelle

Bisher habe ich die Bewohner von einem Moorgewässer vorgestellt. Im Anschluss befinde ich mich am ganz anderen Ende von Haltern am See an einem flachen, sonnenbeschienenen Teich in dessen Bereich sich überwiegend andere Libellenarten tummeln.

 

Eine von ihnen, mit dem imposanten, lateinischen Namen Anax Imperator ist die Große Königslibelle. Sie ist die größte, in Deutschland vorkommende Libellenart. Gegenüber anderen Artgenossen verhält sich die Große Königslibelle sehr aggressiv. Die Großen, wie die Blaugrüne Mosaikjungfer vertreibt sie, die etwas Kleineren, wie z.B. Heidelibellen frisst sie, wenn sie sie erwischt. Die Männchen „patrollieren“ über dem Gewässer und fangen so „nebenbei“, als reine Flugjäger, Insekten. Am 22.07.2018 habe ich diese Aufnahme am oben beschriebenen Teich gemacht. Im Hintergrund ist schemenhaft eine männliche der Feuerlibelle zu sehen, von ihr wird später noch die Rede sein.

 

 

Als Imago, also als fertiges Insekt lebt die Große Königslibelle bis zu acht Wochen, wobei diese Art recht schnell neue Lebensräume erobert. Die Weibchen erscheinen nur zur Paarung und zur Eiablage am Gewässer. Am 16.06.2017 habe ich ein Weibchen bei der Eiablage „erwischt“. Wenn man genau hinschaut, dann kann man erkennen, wie beweglich der Hinterleib ist. Damit nicht für jedes abzulegende Ei die Position gewechselt werden muss, ist das auch nötig.

 

Während der Eiablage kamen immer wieder Männchen anderer Libellenarten, wie z.B. Azurjunfern, die um ein vielfaches kleiner sind, um mal kurz nachzuschauen ob man nicht etwas Wichtiges verpasst.

 

 


Feuerlibelle

Feuerlibelle am 22.07.2018
Feuerlibelle am 22.07.2018

Die zweite Libellenart, die ich hier erwähnen möchte ist die Feuerlibelle. Bei ihr handelt es sich um eine wärmeliebende, ursprünglich mediterrane Art.

 

Ich habe ein Libellenbuch aus dem Jahr 1956, wo in der Beschreibung zu lesen ist, dass einzelne Exemplare im südlichen Bayern gesichtet wurden und über die Entwicklung der Larve nichts bekannt ist.

 

In der heutigen Zeit ist die Feuerlibelle kein ungewöhnlicher Anblick in unseren Breiten, was darauf schließen lässt, dass es allgemein bei uns wärmer zu werden scheint.

Die Feuerlibelle ist mit dem Blaupfeil und nicht mit den Heidelibllen verwandt, denen sie in Größe und 

                                                                                                                             Form ähneln.