Die ungleichen Schwester - Kreuzkröte und Erdkröte

Text und Fotos von Hermann Bergjürgen

Erdkröte (Bufo bufo) und Kreuzkröte (früher Bufo calamite heute Epiladea calamita als einzige Art) - die ungleichen „Schwestern“. Beide Arten sind Amphibien, was aus dem Griechischen übersetzt „doppellebig“ bedeutet. Beide, Erd- und Kreuzkröte, zählen bei den Froschlurchen zu den Bufonidae, den Echten Kröten.

Erdkröte                                                                                                                          Kreuzkröte

 

 

Das erste Leben verbringen sie im Wasser. Dort beginnen sie ihr Dasein, entwickeln sich vom Kiemen- zum Lungenatmer  und verlassen das nasse Element, um ihr zweites Leben an Land zu beginnen.

 

Nur zur Laichzeit kehren sie zum Wasser zurück.

Die Erdkröte

Die Erdkröte (5.0) ist die häufigste Kröte (5.1) in unseren Breiten, sie stellt keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Lichte Wälder, (6) Feld- (6.9) und Wegränder (7) mit Strauchbewuchs, (7.1, 7.2, 7.3) naturnahe Gärten und Streuobstwiesen sind unter anderem ihre Heimat.

 

Felder ohne Randbewuchs, (8) dichte (9.1) Nadelbaum Monokulturen, (9) penibel aufgeräumte Gärten (10) sind ungeeignete Lebensräume, da sich die Kröten dort nicht verbergen können und kaum Beutetiere wie Käfer, (11.0, 11.1, 11.2, 11.4) Spinnen (12.0, 12) und Regenwürmer (13.0, 13.1) vorhanden sind. Z.B. in Meis- (14.0) und Getreidefeldern (14.1) ohne einen Unterbewuchs von krautigen (14.2) Pflanzen verhungern nicht nur die Kröten, auch alle Tiere, die Feld (15) in ihrem Namen tragen, wie -hamster, -hühner und -hasen; sie können dort nicht mehr existieren.

Die Kreuzkröte

Die Kreuzkröte (16) ist weitaus seltener als ihre „große Schwester“ und in der Roten Liste für Deutschland als stark gefährdet eingestuft.

 

Diese kleine Kröte mit dem gelben (17) Streifen auf dem Rücken, der nicht bei (18) jedem Exemplar gut sichtbar ist, ist eine Pionierart, die neue Lebensräume (19) wie Sand- und Kiesgruben besiedelt. Kreuzkröten sind sehr schnelle Läufer, ähnlich (20.1) flink, wie Mäuse auch als (20.2) Schwimmer machen sie eine gute Figur. Sie benötigt vegetationsarme und pflanzenfreie Brachflächen. Dort verbirgt sie sich unter morschem Holz, zwischen Steinen oder in selbstgegrabenen Höhlen, die in der Regel rückwärts (20.3) betreten werden, wobei auch fertige (20) Höhlen von Mäusen oder Zauneidechsen, die denselben Lebensraum bevorzugen, angenommen werden.

Wanderung

Im Februar/März/April machen sich unzählige (21.0) Erdkröten (21.1) nach (21.2) dem Winterschlaf (21) auf den Weg zu ihrem Geburtsgewässer, um abzulaichen. Zuerst die Männchen, die sich in der (22.1) Nähe vom Gewässer positionieren, manche versuchen es auch (22.2) mit hübschen Puscheln als Lockmittel.(22) Sobald ein Weibchen des Weges kommt, schwingt sich das kleinere Männchen auf den Rücken des Weibchens, was (23.1, 23.2, 23.3) nicht immer sofort so funktioniert, wie gewünscht,(24.1, 24.2, 24.3, 24.4, 24.0) und lässt sich den Rest des Weges tragen. Der Drang etwas zu ergreifen ist derart ausgeprägt, dass auch Fische (24.1) oder menschliche Finger (24.2) ergriffen und freiwillig nicht mehr losgelassen werden. Versucht ein weiteres (25.0) Männchen sich dem Weibchen zu nähern, wird es rüde mit den Hinterbeinen weggetreten, (25.1) wobei ein leises Quäken ertönt, welches dem Kontrahenten unmissverständlich mitteilt, dass dieser Platz schon besetzt ist. Die Abwehrmaßnahmen kommen auch bei „liebesblinden“ Froschmännchen(26) oder menschlichen Händen zum Einsatz. Dabei ist es egal, ob die Hand die eines Lebensretters ist, der das Krötenpaar über eine Straße trägt, um zu vermeiden, dass die Amphibien (27) von Autos überfahren werden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

. Manche Laichgewässer (28.0) bestehen schon so lange, dass sich tausende Krötengenerationen (28.1) dort relativ ungefährdet der Arterhaltung widmen konnten. Seit der Mensch begonnen hat die Landschaft (29.0) mit Straßen zu durchziehen, (29.1) sterben in jedem Jahr Tausende von (30.0) Erdkröten, (30.1) Grasfröschen sowie (30.2) Teich- und (30.3) Bergmolchen auf den Asphaltpisten. Dabei genügt es, die Tiere mit dem Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit ab 30 km/h und (30.4) aufwärts, zu überqueren, da der dabei entstehende Sog die inneren Organe der Amphibien zerstört und sie, äußerlich unversehrt, einen (30.4) qualvollen Tod sterben lässt. An immer mehr Straßen werden Amphibienzäune aufgestellt, die die Tiere daran hindern auf die Fahrbahn zu laufen. Entlang dieser etwa 50 Zentimeter hohen Netz- oder Folienzäune werden (31.1) Eimer eingegraben, in (31.2) die die (31) Kröten, Frösche und Molche hineinfallen. Fleißige Helfer überprüfen (32.1) täglich diese Eimer und bringen (32) die Tiere sicher über die Straße (33) zum Gewässer und nach dem Ablaichen auch wieder zurück, so dass sie wieder ihr angestammtes Revier erreichen können. Als hilfreich hat sich herausgestellt, Eimer zu benutzen, die mit (34(1), 34(2)) Deckeln verschließbar sind, so dass in Zeiten, wenn die Wanderung z.B. durch einen (35) Kälteeinbruch und/oder sehr trockenes Wetter (36.1) (36.2) unterbrochen wird, alle Eimer verschlossen werden können, so dass niemand in dieser Zeit nachschauen muss, ob Tiere hinein gefallen sind. In jedem Eimer wird ein (36) Stöckchen als Ausstiegshilfe eingesetzt, so dass Käfer und Mäuse selbständig wieder herausklettern können.

 

Mancherorts ist es nicht möglich Amphibienzäune aufzustellen, da dort zu viele (37) Hof- und/oder Feldeinfahrten auf kurzer Distanz vorhanden sind. Unverhoffte Hindernisse, wie (38.1) Leitplanken, (38.2) Treppenstufen, (38.3) Ringkämpfer (38.4)  oder artfremde „Liebhaber“ (38.5) müssen zudem gemeistert werden.

 

An manchen dieser Straßenabschnitte sind einige „Unentwegte“ im Einsatz, die dort den Bereich der Fahrbahn absuchen und die vorgefundenen Amphibien (38) mittels „Eimertaxi“ zum Laichgewässer tragen. Um die „zarten“ Molche (38.7) etwas zu schützen, wenn viele Frösche (38.8) und Kröten umgesetzt werden, kann man einen kleinen (38.9) Eimer an den großen hängen und dort die Molche hineinsetzen. Trotz aufgestellter Warnbarken, Blinkleuchten, Warn- und Tempo 30 Schilder, (39.0) fährt ein großer (39.1, 39.2, 39.3) Anteil der Verkehrsteilnehmer nicht mit einer der (40) Situation angepassten Geschwindigkeit, um es mal freundlich auszudrücken.

 

An Straßen, die nicht (41.1) mit einem Amphibienzaun abgesichert werden können, müssen zwischendurch auch immer wieder die (41.2) Gullys kontrolliert werden, weil (41.3) Kröten, Frösche und Molche durch die Gitterstäbe (41.4, 41.5, 41.6) fallen und im Auffangkorb gefangen sind, den sie nicht mehr verlassen können.

 

Bei den Erdkröten, überwiegend bei den Männchen, kann (41.7) man (41.71) am Aussehen (41.8) der Haut erkennen, wenn sie eine längere Zeit im Wasser verbracht haben.

 

Die Männchen, die sich noch nicht fortpflanzen konnten, bleiben (41.81) für eine geraume Zeit im Gewässer, was Krötenweibchen, die zum Ende der Laichzeit erscheinen, häufig zum Verhängnis wird. Eine große Zahl der Männchen „stürzt“ sich auf (41.82) das einzelne Weibchen, das dabei sehr oft ertrinkt.

 

Bei der Kreuzkröte zieht sich die Laichzeit weitaus länger hin, je nach Wetterlage vom April bis zum September. Die kleinen (41) Kröten laichen häufig in Temporärgewässern, wie in mit Regenwasser gefüllten Wagenspuren und Pfützen. Die Männchen rufen recht laut (42) vom Gewässer (43) aus, um die möglicherweise weit entfernt lebenden Weibchen zu erreichen. Bis zu zwei Kilometer weit schallen die Rufe der Krötenmännchen. Häufig beginnt ein einzelnes Männchen mit zaghaften, wie „arr, arr, arr“ klingenden Geräuschen, aber nach kurzer Zeit beteiligen sich immer mehr „Rufer“ am Konzert. Die Weibchen erscheinen nur zur Paarung und Ablage der (44) zwei Laichschnüre, die sie meistens direkt auf dem Grund ablegen, am Gewässer. (45)

 

Die Erdkröten bevorzugen eine Wassertiefe (46) von mindestens 30 Zentimeter (47) und tiefer, um ihre zwei Laichschnüre unter Wasser um Wasserpflanzen zu wickeln. (48) Die daraus schlüpfenden Kaulquappen schließen sich häufig zu einem langgezogenen Schwarm zusammen. (49, 49.1) Libellenlarven hier die Exuvie einer Großlibelle, Wasserkäfer, wie der Gelbrandkäfer (50) und deren Larven, und Wasserspinnen, (51) wie die Gerandete Jagdspinne sind Fressfeinde vom Krötennachwuchs. Einige Fische dagegen meiden den Erdkrötennachwuchs wegen seiner Giftigkeit, so sind sie häufig die einzigen (52) Amphibien, die in Fischteichen laichen.

 

Die nasse Kinderstube der Kreuzkröten sollte (53) etwa drei bis sechs Zentimeter Wassertiefe vorweisen, so dass sich das Wasser schnell erwärmen kann. Da die Gefahr besteht, dass das Wasser recht schnell (54.1) verdunstet, haben die Kaulquappen eine sehr kurze Entwicklungszeit. Nach (54) zwei Tagen (55.1) schlüpfen schon die ersten Kaulquappen, (55) nach 17 Tagen kann die gesamte Entwicklung zur am Land (56) lebenden Kröte abgeschlossen sein wobei manche der kleinen Kröten noch einen Schwanz (57.1) haben und ihr Wechsel von Kiemen- zur Lungenatmung noch nicht voll umfänglich abgeschlossen ist, daher versuchen (57.2) diese kleinen Amphibien häufig noch ihren Kopf in den (57.3) Schlamm zu stecken, sie kann aber auch weitaus länger andauern. Bei sandigem Untergrund und sehr (57) niedrigem Wasserspiegel erstellen die Kaulquappen kleine Mulden, die es ihnen bei verdunstendem oder versickerndem Wasser ermöglichen, für eine kurze Zeit länger zu überleben, was bestenfalls (58.1) bis zum nächsten Regenschauer ausreichen kann, der die Pfütze wieder auffüllt.

 

Weil die Kreuzkröten ihren Laich in Pfützen und anderen kurzfristig entstandenen Kleingewässern ablegen, sind die Kaulquappen nicht so vielen Beutegreifern ausgesetzt. Schwimmkäfer (58) und ihre Larven, (59.1) Libellenlarven (59.2, 59.3) z.B. vom Plattbauch (59.4), und Wasserspinnen, aber auch (59.5) verschiedene Vögel, wie (59.6) Fasane, machen dennoch Jagd auf den Krötennachwuchs.

 

Die jungen Erdkröten verlassen im Juni/Juli das (59) Wasser und durch die große Zahl an Individuen, die nahezu zeitgleich ihr Landleben beginnen, wurde früher von „Froschregen“ gesprochen. In den letzten Jahren hingegen sind viele Laichgewässer schon im Mai ausgetrocknet, so dass mehrere Generationen der Erdkröten gar nicht existieren. Die kleinen Kröten sind zunächst (60) tagaktiv und verteilen (61) sich im Gelände und suchen sich ein eigenes (62) Revier, das evtl. wegen einer überfahrenen Kröte frei geworden ist. Nach dem ersten (63) Winterschlaf gehen sie, genauso wie die erwachsenen Kröten, nachts (64) auf Beutezug. Es vergehen mehrere Jahre, bis (65) die Amphibien als geschlechtsreife (66) Tiere wieder am Gewässer (67.1) erscheinen, um sich (67) fortzupflanzen. 

 

Junge Kreuzkröten (68) kann man je nach Wetterlage (69) von Mai bis Anfang Oktober antreffen. Ähnlich wie junge Erdkröten (70.1) sind auch sie (70) zunächst tagsüber auf Beutetour. In Jahren mit genügend Niederschlag kann man jungen Kreuzkröten (71) verschiedenen Alters begegnen und je nach Nahrungsangebot sind sie (72.1) dann „propper“ (72) oder „spindeldürr“ (73). () Blattläuse, Ameisen (74.1, 74.2) und kleine Spinnentiere gehören zu den ersten Beutetieren, die sie überwältigen können.

 

Nach der zweiten (74.3) Überwinterung sind sie geschlechtsreif.

 

Die erwachsenen Erd- und Kreuzkröten haben auch so manchen Fressfeind wie (75.1, 75) Ringelnattern, (76.1) Iltisse, Waschbären, (76) Störche und (77) Reiher, (78) um nur einige zu nennen, zu fürchten.

 

Eine Gefahr stellen auch streunende und freilaufende Katzen dar. (79) Sie verletzen die Kröten mit ihren Krallen und die Wunden infizieren sich häufig, wodurch viele von ihnen zugrunde gehen.

 

Der Verlust vom Lebensraum, die Vermüllung der (80) Laichgewässer, der Straßenverkehr und das Insektensterben sind sicherlich hauptverantwortlich für gravierende Bestandsrückgänge bei allen Amphibien.

 

Aber nicht nur die „hauseigenen“ Gefahren bedrohen die Amphibien sondern auch eingeschleppte Pilzerkrankungen. Insbesondere die (81) Feuersalamander leiden darunter und viele sterben daran.

 

Die Bestandszahlen aller heimischen Amphibien sind rückläufig, da sie aber ein Dasein im Verborgenen führen, fällt diese Tatsache wohl nur Menschen auf, die sich für unsere „Mitgeschöpfe“ interessieren. (82)