Die ungleichen Schwester - Kreuzkröte und Erdkröte

Text und Fotos von Hermann Bergjürgen

Erdkröte (Bufo bufo) und Kreuzkröte (früher Bufo calamite heute Epiladea calamita als einzige Art) - die ungleichen „Schwestern“. Beide Arten sind Amphibien, was aus dem Griechischen übersetzt „doppellebig“ bedeutet. Beide, Erd- und Kreuzkröte, zählen bei den Froschlurchen zu den Bufonidae, den Echten Kröten.

Erdkröte                                                                                                                          Kreuzkröte

 Das erste Leben verbringen sie im Wasser. Dort beginnen sie ihr Dasein, entwickeln sich vom Kiemen- zum Lungenatmer  und verlassen das nasse Element, um ihr zweites Leben an Land zu beginnen. Nur zur Laichzeit kehren sie zum Wasser zurück.

Fotos: Gewässer                                                     Kaulquappen                                                                    junge Kröte an Land                                                 

Die Erdkröte

Die Erdkröte ist die häufigste Kröte in unseren Breiten, sie stellt keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Lichte Wälder, Feld- und Wegränder mit Strauchbewuchs,  naturnahe Gärten und Streuobstwiesen sind unter anderem ihre Heimat. 

Felder ohne Randbewuchs,  dichte Nadelbaum Monokulturen, penibel aufgeräumte Gärten sind ungeeignete Lebensräume, da sich die Kröten dort nicht verbergen können und kaum Beutetiere wie Käfer, Spinnen und Regenwürmer  vorhanden sind, z.B. in Mais- und Getreidefeldern ohne einen Unterbewuchs von krautigen  Pflanzen verhungern nicht nur die Kröten, auch alle Tiere, die Feld  in ihrem Namen tragen, wie -hamster, -hühner und -hasen; sie können dort nicht mehr existieren.

Fotos: Erdkröten                                                              Lebensraum                                                                         Nahrung                                                 

Die Kreuzkröte

Die Kreuzkröte ist weitaus seltener als ihre „große Schwester“ und in der Roten Liste für Deutschland als stark gefährdet eingestuft. 

Diese kleine Kröte mit dem gelben Streifen auf dem Rücken, der nicht bei jedem Exemplar gut sichtbar ist (siehe Fotos), ist eine Pionierart, die neue Lebensräume wie Sand- und Kiesgruben besiedelt. Kreuzkröten sind sehr schnelle Läufer, ähnlich flink, wie Mäuse und auch als Schwimmer machen sie eine gute Figur. Sie benötigt vegetationsarme und pflanzenfreie Brachflächen. Dort verbirgt sie sich unter morschem Holz, zwischen Steinen oder in selbstgegrabenen Höhlen, die in der Regel rückwärts betreten werden, wobei auch fertige Höhlen von Mäusen oder Zauneidechsen, die denselben Lebensraum bevorzugen, angenommen werden.

Fotos: Kreuzkröten mit verschiedener Färbung                                                                                          schwimmende Kreuzkröte                                        

Im Kurzvergleich

Erdkröte

Aussehen:            grau, rotbraun, schwarzbraun

 

Vorkommen:      häufigste Kröte in unseren Breiten

Größe:                  9-12 cm

Lebensraum:      lichte Wälder, Feld- und Wegränder, 

                                 naturnahe Gärten, Streuobstwiesen

Nahrung:             Käfer, Spinnen, Regenwürmer u.v.m.

Fortpflanzung:  Wassertiefe von mind. 30 cm nötig und 

                                Bewuchs um Laichschnüre abzulegen

Kreuzkröte

hellbraun bis olivfarben marmoriert mit zumeist gelben bis grünem Streifen auf dem Rücken

stark gefährdet (Rote Liste)

4-7 cm

Sand- und Kiesgruben(vegetationsarme, pflanzenfreie Brachflächen)

Käfer, Spinnen, Regenwürmer, Asseln, Ameisen u.v.m.

4-6 cm Wassertiefe, Laich wird in vegetationsarmen Stillgewässern (oft Pfützen) gelegt


Die Wanderung der Kröten und ihre Gefahren

Im Februar/März/April machen sich unzählige Erdkröten nach dem Winterschlaf  auf den Weg zu ihrem Geburtsgewässer, um abzulaichen. Zuerst die Männchen, die sich in der Nähe vom Gewässer positionieren, manche versuchen es auch  mit hübschen Puscheln als Lockmittel. Sobald ein Weibchen des Weges kommt, schwingt sich das kleinere Männchen auf den Rücken des Weibchens, was nicht immer sofort so funktioniert, wie gewünscht, und lässt sich den Rest des Weges tragen. Der Drang etwas zu ergreifen ist derart ausgeprägt, dass auch Fische oder menschliche Finger ergriffen und freiwillig nicht mehr losgelassen werden. Versucht ein weiteres  Männchen sich dem Weibchen zu nähern, wird es rüde mit den Hinterbeinen weggetreten, wobei ein leises Quäken ertönt, welches dem Kontrahenten unmissverständlich mitteilt, dass dieser Platz schon besetzt ist. Die Abwehrmaßnahmen kommen auch bei „liebesblinden“ Froschmännchen oder menschlichen Händen zum Einsatz. Dabei ist es egal, ob die Hand die eines Lebensretters ist, der das Krötenpaar über eine Straße trägt, um zu vermeiden, dass die Amphibien von Autos überfahren werden.

Fotos: Erdkröte mit Puschel,              Erdkröten-Männchen klammern sich an das größere Weibchen,           Erdkröte klammert sich an Finger

Manche Laichgewässer bestehen schon so lange, dass sich tausende Krötengenerationen dort relativ ungefährdet der Arterhaltung widmen konnten. Seit der Mensch begonnen hat die Landschaft  mit Straßen zu durchziehen, sterben in jedem Jahr Tausende von Erdkröten, Grasfröschen sowie Teich- und Bergmolchen auf den Asphaltpisten. Dabei genügt es, die Tiere mit dem Fahrzeug bei einer Geschwindigkeit ab 30 km/h und aufwärts, zu überqueren, da der dabei entstehende Sog die inneren Organe der Amphibien zerstört und sie, äußerlich unversehrt, einen qualvollen Tod sterben lässt.

Fotos: Laichgewässer,                   die große Gefahr Straße

An immer mehr Straßen werden Amphibienzäune aufgestellt, die die Tiere daran hindern auf die Fahrbahn zu laufen. Entlang dieser etwa 50 Zentimeter hohen Netz- oder Folienzäune werden  Eimer eingegraben, in die die Kröten, Frösche und Molche hineinfallen. Fleißige Helfer überprüfen täglich diese Eimer und bringen die Tiere sicher über die Straße zum Gewässer und nach dem Ablaichen auch wieder zurück, so dass sie wieder ihr angestammtes Revier erreichen können. Als hilfreich hat sich herausgestellt, Eimer zu benutzen, die mit, Deckeln verschließbar sind, so dass in Zeiten, wenn die Wanderung z.B. durch einen  Kälteeinbruch und/oder sehr trockenes Wetter unterbrochen wird, alle Eimer verschlossen werden können, so dass niemand in dieser Zeit nachschauen muss, ob Tiere hinein gefallen sind. In jedem Eimer wird ein Stöckchen als Ausstiegshilfe eingesetzt, so dass Käfer und Mäuse selbständig wieder herausklettern können.

Fotos: Amphibienzaun,                  Eimer am Amphibienzaun,            Erdkröte                                                          Maus

Mancherorts ist es nicht möglich Amphibienzäune aufzustellen, da dort zu viele Hof- und/oder Feldeinfahrten auf kurzer Distanz vorhanden sind. Unverhoffte Hindernisse, wie Leitplanken, Treppenstufen,   Ringkämpfer  oder artfremde „Liebhaber“  müssen zudem gemeistert werden.

An manchen dieser Straßenabschnitte sind einige „Unentwegte“ im Einsatz, die dort den Bereich der Fahrbahn absuchen und die vorgefundenen Amphibien mittels „Eimertaxi“ zum Laichgewässer tragen. Um die „zarten“ Molche etwas zu schützen, wenn viele Frösche und Kröten umgesetzt werden, kann man einen kleinen Eimer an den großen hängen und dort die Molche hineinsetzen. Trotz aufgestellter Warnbarken, Blinkleuchten, Warn- und Tempo 30 Schilder, fährt ein großer  Anteil der Verkehrsteilnehmer nicht mit einer der Situation angepassten Geschwindigkeit, um es mal freundlich auszudrücken. 

An Straßen, die nicht  mit einem Amphibienzaun abgesichert werden können, müssen zwischendurch auch immer wieder die Gullys kontrolliert werden, weil  Kröten, Frösche und Molche durch die Gitterstäbe fallen und im Auffangkorb gefangen sind, den sie nicht mehr verlassen können.

Fotos: Kröten und Molche werden in den Eimern sicher über die Straße getragen

Fortpflanzung

Bei den Erdkröten, überwiegend bei den Männchen, kann man  am Aussehen der Haut erkennen, wenn sie eine längere Zeit im Wasser verbracht haben. 

Die Männchen, die sich noch nicht fortpflanzen konnten, bleiben für eine geraume Zeit im Gewässer, was Krötenweibchen, die zum Ende der Laichzeit erscheinen, häufig zum Verhängnis wird. Eine große Zahl der Männchen „stürzt“ sich auf  das einzelne Weibchen, das dabei sehr oft ertrinkt.

Fotos: Erdkröten mit rel. trockener Haut             Erdkröte nach langer Zeit im Wasser                Erdkrötenmännchen stürzen sich auf Weibchen

Bei der Kreuzkröte zieht sich die Laichzeit weitaus länger hin, je nach Wetterlage vom April bis zum September. Die kleinen Kröten laichen häufig in Temporärgewässern, wie in mit Regenwasser gefüllten Wagenspuren und Pfützen. Die Männchen rufen recht laut vom Gewässer aus, um die möglicherweise weit entfernt lebenden Weibchen zu erreichen. Bis zu zwei Kilometer weit schallen die Rufe der Krötenmännchen. Häufig beginnt ein einzelnes Männchen mit zaghaften, wie „arr, arr, arr“ klingenden Geräuschen, aber nach kurzer Zeit beteiligen sich immer mehr „Rufer“ am Konzert. Die Weibchen erscheinen nur zur Paarung und Ablage der zwei Laichschnüre, die sie meistens direkt auf dem Grund ablegen, am Gewässer. 

Fotos: männl. Kreuzkröte ruft                                   Laichschnüre der Kreuzkröte in Temporär-Gewässern (Pfützen)

Die Erdkröten bevorzugen eine Wassertiefe von mindestens 30 Zentimeter  und tiefer, um ihre zwei Laichschnüre unter Wasser um Wasserpflanzen zu wickeln. Die daraus schlüpfenden Kaulquappen schließen sich häufig zu einem langgezogenen Schwarm zusammen. Libellenlarven hier die Exuvie einer Großlibelle, Wasserkäfer, wie der Gelbrandkäfer und deren Larven, und Wasserspinnen, wie die Gerandete Jagdspinne sind Fressfeinde vom Krötennachwuchs. Einige Fische dagegen meiden den Erdkrötennachwuchs wegen seiner Giftigkeit, so sind sie häufig die einzigen Amphibien, die in Fischteichen laichen.

Fotos: Laichschnüre der Erdkröte                                                                                                                    Kaulquappe einer Kreuzkröte  wird 

                                                                                                                                                                                      gefressen von einer Larve des Gelbbrandkäfers

Die jungen Erdkröten verlassen im Juni/Juli das Wasser und durch die große Zahl an Individuen, die nahezu zeitgleich ihr Landleben beginnen, wurde früher von „Froschregen“ gesprochen. In den letzten Jahren hingegen sind viele Laichgewässer schon im Mai ausgetrocknet, so dass mehrere Generationen der Erdkröten gar nicht existieren. Die kleinen Kröten sind zunächst tagaktiv und verteilen sich im Gelände und suchen sich ein eigenes Revier, das evtl. wegen einer überfahrenen Kröte frei geworden ist. Nach dem ersten Winterschlaf gehen sie, genauso wie die erwachsenen Kröten, nachts auf Beutezug. Es vergehen mehrere Jahre, bis die Amphibien als geschlechtsreife Tiere wieder am Gewässer erscheinen, um sich fortzupflanzen. 

Fotos: junge Erdkröten

Die nasse Kinderstube der Kreuzkröten sollte etwa drei bis sechs Zentimeter Wassertiefe vorweisen, so dass sich das Wasser schnell erwärmen kann. Da die Gefahr besteht, dass das Wasser recht schnell  verdunstet, haben die Kaulquappen eine sehr kurze Entwicklungszeit. Nach zwei Tagen schlüpfen schon die ersten Kaulquappen,  nach 17 Tagen kann die gesamte Entwicklung zur am Land lebenden Kröte abgeschlossen sein wobei manche der kleinen Kröten noch einen Schwanz  haben und ihr Wechsel von Kiemen- zur Lungenatmung noch nicht voll umfänglich abgeschlossen ist, daher versuchen diese kleinen Amphibien häufig noch ihren Kopf in den  Schlamm zu stecken, sie kann aber auch weitaus länger andauern. Bei sandigem Untergrund und sehr niedrigem Wasserspiegel erstellen die Kaulquappen kleine Mulden, die es ihnen bei verdunstendem oder versickerndem Wasser ermöglichen, für eine kurze Zeit länger zu überleben, was bestenfalls bis zum nächsten Regenschauer ausreichen kann, der die Pfütze wieder auffüllt.

Fotos:oben -Kaulquappen in Pfütze und oben rechts Kaulquappen mit kleinen Mulden im Sandboden, unten - junge Kreuzkröten

Weil die Kreuzkröten ihren Laich in Pfützen und anderen kurzfristig entstandenen Kleingewässern ablegen, sind die Kaulquappen nicht so vielen Beutegreifern ausgesetzt. Schwimmkäfer und ihre Larven,  Libellenlarven z.B. vom Plattbauch, und Wasserspinnen, aber auch verschiedene Vögel, wie Fasane, machen dennoch Jagd auf den Krötennachwuchs.

 Junge Kreuzkröten kann man je nach Wetterlage  von Mai bis Anfang Oktober antreffen. Ähnlich wie junge Erdkröten sind auch sie zunächst tagsüber auf Beutetour. In Jahren mit genügend Niederschlag kann man jungen Kreuzkröten verschiedenen Alters begegnen und je nach Nahrungsangebot sind sie  dann „propper“ oder „spindeldürr“ . Blattläuse, Ameisen  und kleine Spinnentiere gehören zu den ersten Beutetieren, die sie überwältigen können. 

Nach der zweiten Überwinterung sind sie geschlechtsreif.

Fotos: junge Kreuzkröten

Fressfeinde und Krankheiten

Die erwachsenen Erd- und Kreuzkröten haben auch so manchen Fressfeind wie Ringelnattern, Iltisse, Waschbären, Störche und Reiher,  um nur einige zu nennen, zu fürchten.

 

Eine Gefahr stellen auch streunende und freilaufende Katzen dar. Sie verletzen die Kröten mit ihren Krallen und die Wunden infizieren sich häufig, wodurch viele von ihnen zugrunde gehen.

 

Der Verlust vom Lebensraum, die Vermüllung der Laichgewässer, der Straßenverkehr und das Insektensterben sind sicherlich hauptverantwortlich für gravierende Bestandsrückgänge bei allen Amphibien.

 

Aber nicht nur die „hauseigenen“ Gefahren bedrohen die Amphibien sondern auch eingeschleppte Pilzerkrankungen. Insbesondere die Feuersalamander leiden darunter und viele sterben daran.

 

Die Bestandszahlen aller heimischen Amphibien sind rückläufig, da sie aber ein Dasein im Verborgenen führen, fällt diese Tatsache wohl nur Menschen auf, die sich für unsere „Mitgeschöpfe“ interessieren.

Fotos: Ringelnatter                                                      Weißstorch                                                                      Graureiher

Fotos: Katze auf Krötenjagd                                        Feuersalamander                                                 Kröten in Gefahr